Von der Steinzeit zu den Stadtrechten – Langens Geschichte
Erste Ansiedlungen
In der Langener Gemarkung dürften bereits in der Mittelsteinzeit Menschen gelebt haben. Das belegen Funde von Steingeräten Klingen und Spitzen. Auf eine Besiedlung am Sterzbach während der Bronzezeit weisen Ausgrabungen beim Bau des neuen Rathauses und des Hallenbades an der Südlichen Ringstraße in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hin.
Langen im Mittelalter
Die Ortsbezeichnung „Langungon" erscheint erstmals im Jahre 834 in der Schenkungsurkunde von König Ludwig dem Deutschen an das Kloster Lorsch. Im Mittelalter wurde Langen Sitz des Maigerichts im Wildbann Dreieich. Ehrwürdige Zeugen dieser bewegten Zeit sind die Überreste der Ortsbefestigung aus dem 14. Jahrhundert und der Vierröhrenbrunnen aus dem Jahre 1553.
Markttreiben und Industrialisierung
1813 wurde Langen zum Marktflecken ernannt und durfte Märkte abhalten. 1821 ließ sich der Bezirkslandrat nieder. Damit war Langen praktisch Kreisstadt, musste diese Funktion aber später an Groß-Gerau und Offenbach abgeben. Der Aufschwung als Warenumschlagplatz auf dem alten Handelsweg zwischen Frankfurt und Darmstadt geriet vorübergehend ins Stocken, als Mitte des 19. Jahrhunderts die Main-Neckar-Bahn gebaut wurde. Langen lag zu diesem Zeitpunkt etwas abseits der Strecke. Handwerker, Fuhrunternehmer und Gastwirte wanderten deshalb ab. Erst als Großherzog Ludwig IV. 1883 die Stadtrechte verlieh, wandte sich das Blatt wieder. Langen gewann an Bedeutung als Wohn- und Gewerbestandort. Der Industrialisierungsschub der Gründerzeit und die gute Anbindung an die Nachbarzentren Frankfurt, Hanau, Mainz und Worms sorgte für eine Bebauung in Richtung der Bahnlinie und für einen blühenden Handel.
Aufschwung, Krieg, Besatzung
1883 hatte Langen 4.400 Einwohner, ein Amtsgericht, eine Post, eine Eisenbahnstation, Fabriken, Ziegeleien, Sandsteinbrüche und eine Oberförsterei. Immer weniger Langener arbeiteten in der Landwirtschaft; 1907 waren es noch gut zehn Prozent. Das 1896 erbaute Kreiskrankenhaus zeugte von der wachsenden Bedeutung der Stadt. Um die Allgemeinbildung zu fördern, wurde 1904 die Wallschule errichtet.
Im Ersten Weltkrieg fielen 227 Langener Männer. Die Stadt geriet für zwölf Jahre unter französische Besatzung. Der Schwarzhandel blühte. 1930 endete die Besatzungszeit mit einer zwei Tage dauernden Befreiungsfeier und dem 50-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr. In der Weimarer Republik war das Langener Alltagsleben von der Weltwirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit geprägt.
Langen unter den Nationalsozialisten
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich das politische Leben in Deutschland radikal. Wie im übrigen Reich bekämpften die Vertreter des neuen Regimes ihre politischen Gegner ohne Erbarmen: Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter wurden verhaftet, hemmungslos geprügelt und auch erschlagen, jüdische Geschäfte boykotiert. Die jüdische Synagoge an der Dieburger Straße (heute ein Mahnmal) wurde am 10. November 1938 – in der sogenannten Reichskristallnacht – zerstört. Die meisten jüdischen Familien verließen im gleichen Jahr die Stadt. Viele von ihnen wurden später in Vernichtungslager deportiert. In Langen selbst kamen etliche Zwangsarbeiter ums Leben.
Langen nach dem Zweiten Weltkrieg
Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete die Befreiung von Terror und Diktatur. Ende März 1945 marschierten US-Truppen in Langen ein. Flüchtlinge aus den zerstörten nahen Großstädten und Heimatvertriebene aus dem Osten führten zu einem starken Anstieg der Bevölkerung. Verbunden damit waren Wohnungsknappheit und Notquartiere. Ende der fünfziger Jahre entstand in Langen das größte Landesflüchtlingslager Hessens. Viele Flüchtlinge und Aussiedler blieben in der Stadt, die dadurch einen Boom im sozialen Wohnungsbau erlebte.
Maßgeblich geprägt davon ist das Nordend. Gewachsen ist Langen zu jener Zeit auch im Westen durch die Stadtteile Oberlinden und Neurott einschließlich der Siedlung für Angehörige der amerikanischen Streitkräfte (heute als Privatwohnungen vermietet). Wichtige Arbeitgeber waren Maschinenbauunternehmen wie Pittler und Nassovia.
Zur Bedeutung Langens trugen in den sechziger Jahren der Bau eines neuen Krankenhauses (der heutigen Asklepios Klinik) und die Eröffnung des Freizeitzentrums Langener Waldsees bei. An der Südlichen Ringstraße schuf die Stadt ein Zentrum aus Rathaus, Stadthalle und Hallenbad, zu dem sich später Amtsgericht und Finanzamt gesellten.
1983 feierte Langen den hundertsten Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte. Aus diesem Anlass wurde im Rathaus ein Museum zur Stadtgeschichte eröffnet. Die gute Lage im Herzen Europas und hervorragende Verkehrsanbindungen führten im Wirtschaftszentrum Neurott zur Ansiedlung namhafter Unternehmen der High-Tech-Branche. Zugleich kamen Bundesbehörden wie das Paul-Ehrlich-Institut und die Deutsche Flugsicherung nach Langen. Die DFS kontrolliert mit ihren rund 3000 Beschäftigten den Luftraum über weiten Teilen Deutschlands und angrenzenden Ländern.
Modernes Langen
Zur Lebensqualität in Langen tragen heute viele Einrichtungen bei. Zu den wichtigsten zählen die Neue Stadthalle, das Kulturhaus Altes Amtsgericht mit Musikschule und Volkshochschule oder das Jugendzentrum. Für die Jüngsten gibt es zahlreiche Kindertagesstätten, für die ältere Generation das Seniorenzentrum Haltestelle. Sportstätten, Waldsee, Hallenbad und das Freizeit- und Familienbad sorgen für Freizeitspaß. Das alte Schwimmstadion, schon 1934 eröffnet, wurde Mitte 1990 erneuert und lädt seitdem mit Rutschen, Sprungturm sowie Wasserdüsen und -pilzen zum Plantschen, Schwimmen und Entspannen ein.
Ohne Auto in die Großstadt – das ist von Langen aus kein Problem.
Seit 1997 fährt die S-Bahn im 15-Minuten-Takt nach Frankfurt und alle 30 Minuten nach Darmstadt. Mit dem Halt „Flugsicherung“ verfügt Langen über einen zweiten Bahnhof. Wichtig für den überörtlichen Verkehr und die Entlastung der Anwohner ist die Nordumgehung, die seit 1999 als Teilstrecke die Autobahnen A 5 und A 661 miteinander verbindet.
Mit Hilfe von Fördergeldern des Bundes konnte Langen seinen nördlichen Stadtteil aufwerten. Im Mittelpunkt stand dabei der Abriss des ehemaligen Hessischen Übergangswohnheims und die Neugestaltung des Areals unter anderem mit einem Begegnungszentrum und dem Platz der Deutschen Einheit.
Siebenschläfer
Obwohl Langen mitten im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet liegt, fehlt es nicht an intakter Natur. Die Umgebung der Stadt ist geprägt von Wald und Feld und nicht zuletzt von den charakteristischen Streuobstwiesen mit ihren knorrigen Bäumen. Von der Apfelernte wird köstlicher Apfelwein produziert. Die Vermarktung unter der Eigenmarke „Siebenschläfer“ trägt zur Pflege und damit zum Erhalt der Wiesen bei. In der Natur ist der Siebenschläfer ein possierliches Nagetier, das auf den Streuobstwiesen lebt.
Kulturelles Herz
Langens kulturelles Herz – die Neue Stadthalle an der Südlichen Ringstraße – wurde 2009 nach aufwändiger Sanierung und Erweiterung wiedereröffnet. Der Gebäudekomplex präsentiert sich als hochmoderner Veranstaltungsort für Theater, Konzerte, Tanz- und Kleinkunstveranstaltungen ebenso wie für Tagungen, Kongresse und Familienfeiern aller Art. Glaskunst, Stadtbücherei, Restaurant und das benachbarte Hallenbad tragen obendrein zur Attraktivität bei.
Miteinander leben
Als erstes offizielles Mehrgenerationenhaus in Hessen öffnete 2006 das Zentrum für Jung und Alt in Langen seine Türen. In dem Gebäude in der Stadtmitte sind Mütterzentrum und Seniorenhilfe mit ihren vielfältigen Angeboten unter einem Dach vereint.
Ein weiteres Aushängeschild ist die Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH, ein Tochterunternehmen der Stadt, das junge Leute vorwiegend in technischen Berufen ausbildet. Das Unternehmen verfügt in Langen über eines der modernsten Ausbildungszentren im Rhein-Main-Gebiet.